Entstehungsgeschichte CHOP-Ensemble

Was hinter dem Namen CHOP-Ensemble steckt, ist nicht mit wenigen Worten zu beschreiben. Es ist eine Geschichte von Idealisten, welche sich unermüdlich für ein aussergewöhnliches, nicht realisierbar erscheinendes Projekt einsetzen, in welchem verschiedene Musikstile wie Folk, Worldmusic oder auch Pop auf überraschende Weise mit dem Klang der Kirchenorgel verschmolzen werden.

 

Für ein besseres Verständnis wird sie chronologisch aufgelistet, obschon das heutige CHOP-Ensemble sich von den Anfängen unterscheidet.

Eine Idee entsteht

Sommer 2010

Eine Hochzeit steht an. Der Tenor und der Organist proben für die musikalische Untermalung. Zum ersten Mal werden weitere Instrumente zu Gesang und Kirchenorgel kombiniert - mit verblüffendem Ergebnis: Eine neue musikalische Welt mit ungeahnten Möglichkeiten eröffnet sich. Fasziniert vom Gedanken, was mit Sologesang, Chor und weiteren Musikinstrumenten realisierbar wird, entsteht die Idee des CHOP-Ensembles.

Herbst 2010

Formatiom CHOP-Ensemble 2011
Formatiom CHOP-Ensemble 2011

21 musische Köpfe (zwischen 13 und 58 Jahren) lassen sich innert kürzester Zeit von dieser Idee begeistern. Darunter 3 Leadstimmen (Sopran, Tenor und Bariton), ein Chor von 14 Stimmen, Schlagzeuger, Perkussionist, Flötist, Fiddlerin und Organist. Die Kirchgemeinde Reutigen begrüsst und unterstützt das Projekt, welches als einmaliger Event, als Beitrag für den 40. Geburtstag der Metzler-Orgel in Reutigen, deklariert wird. Das komplette Programm wird erarbeitet und das CHOP-Ensemble (Church-Organ-Project-Ensemble) ins Leben gerufen.

Frühjahr 2011

Ab dem 3. Januar wird fleissig geprobt. Mitte Februar erfährt eine Harfenistin aus der Ostschweiz vom Projekt und stösst als Gastmusikerin zum Ensemble im Berner Oberland.

März 2011

Am 11., 12. und 13. März finden in der jeweils voll besetzten Kirche Reutigen die Konzerte statt. Trotz plötzlichem Ausfall der Sopranistin am Vorabend (eine mutige Chorstimme übernahm kurzfristig ihren Part) loben Publikum und Presse die Konzertserie.

Berner Oberländer vom 5. März 2011
Berner Oberländer vom 5. März 2011
Berner Oberländer / Thuner Tagblatt 15. März 2011
Berner Oberländer / Thuner Tagblatt 15. März 2011

Nach dieser Konzertreihe ist klar, dass das CHOP-Ensemble kein einmaliger Event bleiben wird und Entwicklungspotential hat. Die Gastmusikerin an der keltischen Harfe stösst als festes Mitglied zum Ensemble.

Herbst 2011: Probleme der Latenzen und verschiedenen Stimmungen

Da Kirchen in akustischer Hinsicht etliche Probleme bereiten, stellt sich die Frage, ob auch in auswärtigen Kirchen mit vergleichsweise sehr kleinem Zeitgefäss ein ausgewogenes Klangbild eines zügig spielenden Ensembles realisierbar ist. Zudem ist es selten der Fall, dass die Kirchenorgel vorne im Kirchenchor steht. Beim Spiel im Kirchenchor und auf der Empore ergeben sich Latenzen (zeitliche Verzögerungen des Schalls), welche mit technischen Hilfsmitteln kompensiert werden müssen. Nur so ist ein gleichzeitiges Spiel möglich. Auch arbeitet der eigentlich schöne Kirchenhall gegen ein sauberes Klangbild: Tiefe Frequenzen müssen beispielsweise stark gefiltert werden.

 

Mitte Oktober beginnen die Proben für ein komplett neues Programm des CHOP-Ensembles. Als Gastmusikerinnen werden Elena Konstantinidis an der 5-saitigen Geige und Marina Tanner an der in der Schweiz seltenen Uilleann Pipes eingeladen. Das Ensemble umfasst dieselben 3 Solostimmen, 9 Chorstimmen, Schlagzeug, Perkussion, keltische Harfe, Flöte, Uilleann Pipes, 5-saitige Geige und Kirchenorgel. Mit dieser fantastischen Instrumentierung stossen wir auf eine unerwartete Herausforderung, welche Komponisten und Instrumentenbauer bereits vor über 300 Jahren beschäftigt hat: Wir verfügen über 5 unterschiedliche Stimmungen der Instrumente, welche zusammengeführt werden müssen. Da ist die Geige, die rein spielt, die Harfe mit wohltemperierter Stimmung, die Uilleann Pipes mit "dreckig" irischer Stimmung, die historische Flöte, deren Stimmung an sich undefinierbar ist und die Kirchenorgel mit jeweiliger, je nach Orgelbauer ausgeklügelter Stimmung.

 

Dass grösste Präzision notwendig ist, ist selbstverständlich. Der genaue Beobachter wird feststellen, dass beispielsweise die historische Flöte je nach Ton unterschiedlich ausgedreht wird, damit rein gespielt werden kann. Auch wird der Druck der Uilleann Pipes je nach zu spielendem Ton angepasst. Instrumente mit langem Nachklang, wie z.B. die Harfe, müssen stetig gedämpft werden, damit nicht ein akustischer Brei entsteht. Die erst später gebaute Pauke aus massiver Eiche ist speziell auf das Ensemble abgestimmt: Die Naturfelle werden weitgehend behaart gelassen, damit eine natürliche Dämpfung gewährleistet ist und eine ganze Reihe von Obertönen unterdrückt wird.

Februar 2012

Formation CHOP-Ensemble 2012
Formation CHOP-Ensemble 2012

Am 25. und 26. Februar finden die Konzerte in der Kirche Erlach statt. Weiter wird ein Konzert auf einem Kursschiff auf dem Bielersee gegeben. Bei diesem Auftritt wird klar: Ohne die Kirchenorgel fehlt ein wichtiger Bestandteil des Ensembles.

Radiobericht Regionaljournal SR DRS 1

Bieler Tagblatt 23. Februar 2012
Bieler Tagblatt 23. Februar 2012

Sommer 2012: Beständigkeit und klare Ausrichtung

Nach den gelungenen, auswärtigen Konzerten, kommt der Wunsch auf, häufiger mit einem beständigen Ensemble aufzutreten. Immerwährende Wechsel der Besetzung mit neu dafür zu schreibenden Arrangements erweisen sich als kaum realisierbar. Aus beruflichen oder familiären Gründen ist eine solche Ausrichtung mit häufigeren Auftritten für einige nicht umsetzbar: Das Projekt wurde ursprünglich als "einmalig" deklariert, was bereits um ein Jahr überschritten wurde.

 

Um die Qualität, Flexibilität und Durchführbarkeit des Ensembles zu wahren und zu steigern, wird das Ensemble auf 10 Künstler verkleinert mit teilweiser neuer Besetzung. Ein 11. Mitglied ist für den richtigen Mix zuständig. Die beiden Gastmusikerinnen schliessen sich dem Ensemble an, eine Leadstimme und Bodhranspieler werden gesucht und gefunden und der ehemalige Chor auf drei "Voices" verkleinert. Auch wird der Musik eine klare Richtung gegeben: Es bleibt Crossover, aber mit keltischem Schwerpunkt.

 

Das Ensemble umfasst nun eine Sopran-Leadstimme und drei "Voices", welche 4-stimmig arbeiten. Eine Voice spielt sogar gleichzeitig die Perkussion. Weiter beinhaltet das Ensemble einen Mischer und sechs MusikerInnen an der 5-saitigen Geige, Nyckelharpa, Uilleann Pipes, Tin Whistle, Irische Flöte, Boehmflöte, keltische Harfe, Bodhrán und der Kirchenorgel.

Herbst 2012: Celtic Moments

Formation CHOP-Ensemble 2013/14
Formation CHOP-Ensemble 2013/14

Ein neues Programm wird für die exklusive Instrumentierung geschrieben: "Celtic Moments". Eigene Kompositionen erhalten vermehrt Einzug ins Programm. Das tontechnische Equipment wird erweitert, um unter den gegebenen akustischen Verhältnissen zu bestehen. Da die Künstler zwischen Fribourg und Zürcher Oberland wohnhaft sind, wird dem ehrgeizigen Plan eine weitere Krone aufgesetzt: Geprobt wird einmal pro Monat. Auch sollen die Konzerte ausserhalb des "Heimatkanton" Bern zu besuchen sein.

 

Das Ensemble ist stolz, eine musikalische Nische zu besetzen, welche es bis anhin nicht gab. Die Künstler sind sich eigentlich gewohnt, Konzerte in verschiedenen Lokalitäten einfach so geben zu können. Doch mit einer Kirchenorgel wird alles anders: Das Ensemble ist an Kirchenräumlichkeiten gebunden, welche tontechnisch grosse Herausforderungen stellen. Jede Kirche hält akustische Überraschungen bereit, wie auch die jeweiligen Kirchenorgeln - für jedes Konzert ein anderes Instrument mit anderen Eigenschaften.

März 2013 - Juli 2014

Die Première "Celtic Moments" wird als Doppelkonzert in Reutigen aufgeführt und ist ein Erfolg. Insgesamt finden bis im Frühling 2014 neun Konzerte in den Kantonen Bern, Zürich und Thurgau statt. Das Programm findet bei den Besuchern grossen Anklang.